Die üblichen Sensorauflösungen von Industriekameras sind im Laufe der Jahre immer größer geworden. Durch verbesserte Herstellungsverfahren können heute kleinere Pixelstrukturen hergestellt werden, die eine vergleichbare Lichtempfindlichkeit aufweisen wie früher größere Sensorpixel. Die Quanteneffizienz der Pixel konnte deutlich gesteigert werden.
Erst die Entwicklung von CMOS-Sensoren ermöglichte Sensoren mit derart hohen Auflösungen. Vorbei sind die Zeiten, in denen eine 16-Megapixel-Kamera mit CCD-Sensor nur wenige Bilder pro Sekunde aufnehmen konnte.
Heute werden Sensoren in Kombination mit einem C-Mount-Objektivanschluss mit Auflösungen von 2, 5, 8, 12 oder 24 Megapixel eingesetzt, wo vor 5 bis 10 Jahren gerade einmal Megapixel-Kameras im Einsatz waren.
Noch höher auflösende Kameras benötigen aufgrund ihrer großen Sensorfläche große Objektivanschlüsse wie APS/C, M42, F-Mount oder sogar M72 Mount. Hochauflösende industrielle Flächenkameras von 30 bis zu 245 Megapixel bieten eine beeindruckende Bildqualität und Detailgenauigkeit, die für anspruchsvolle industrielle Anwendungen unerlässlich sind.
Diese Kameras sind in der Lage, extrem detaillierte und klare Bilder zu erfassen, was sie ideal für die Inspektion großer Objekte mit sehr feinen Strukturen macht. Typische Anwendungen sind unter anderem die Druckbildkontrolle, die Displayprüfung, medizintechnische Anwendungen bis hin zum Aerial Imaging.
Nach der Entscheidung, ob monochrom oder farbig aufgenommen werden soll, stellt sich bei der Auswahl der geeigneten Kamera schnell die Frage nach der geeigneten Kameraauflösung.
Auch die Wahl der Übertragungsschnittstelle darf nicht vernachlässigt werden. Standard-Bildübertragungen können z.B. mit Hilfe der GigE- oder USB3-Schnittstelle realisiert werden. Hochauflösende Sensoren benötigen eine leistungsfähige Übertragungsschnittstelle. 5 GigE oder 10 GigE, CameraLink HS oder CoaXPress sind hier eine gute Wahl.
Eine der schwierigeren Fragen in der Industriellen Bildverarbeitung! Gehen wir der Sache auf dern Grund... Bitte lesen Sie die Seite komplett zu Ende!
Daraus lässt sich dann die benötigte Sensorauflösung berechnen.
Aber lassen sich damit Strukturen mit 0.1 mm präzise erfassen?
Das kleine Objektmerkmal könnte z. B. genau auf den Sensor in der Mitte der Pixel fallen. Vereinfacht gesagt wird das Merkmal (theoretisch) zu 100% abgebildet. Was passiert aber, wenn das kleinste Merkmal etwas zwischen zwei oder vier Pixelstrukturen auf dem Sensor fällt? Dann verteilt sich das ideale 100%-Signal auch auf die umliegenden Pixelstrukturen und der Kontrast nimmt stark ab.
Eine 1:1 Abbildung funktioniert also leider nicht, um brauchbare Daten zu bekommen.
Für eine saubere optische Erkennung ist eine Spotgröße von mindestens 3 bis 4 Pixeln erforderlich. Dies bedeutet, dass ein optisches Merkmal mindestens über diese Anzahl von Pixeln auf dem Sensor abgebildet werden sollte, um eindeutig und zuverlässig erkannt zu werden.
Kleinere Spots können zwar ebenfalls erkannt werden, jedoch nur bei gutem Kontrast. Bei schlechtem Kontrast sinkt die Erkennungsgenauigkeit erheblich. Die Mindestgröße eines erkennbaren Merkmals hängt daher vom Kontrast des Merkmals ab.
Eine allgemeine Faustregel besagt, dass für die Erkennung kleinerer Merkmale eine Kamera mit 3-mal mehr Pixeln erforderlich ist. Dies bedeutet, dass je höher die physikalische Auflösung der Kamera ist, desto genauer können selbst kleinste Merkmale erkannt werden.
Ein anschauliches Beispiel verdeutlicht die Bedeutung der physikalischen Auflösung: Bei einer Bildverarbeitung von 64 mm Breite und 640 Pixeln beträgt die physikalische Auflösung 0,1 mm pro Pixel. Dies bedeutet, dass deutlich sichtbare Merkmale nicht 0,1 mm groß sind, sondern eher 0,3 mm. Diese Größenzunahme berücksichtigt die erforderliche Spotgröße von mindestens 3 Pixeln für eine zuverlässige Erkennung.
Moderne Messalgorithmen haben eine beeindruckende Genauigkeit von weniger als 1 Pixel. Ein Beispiel dafür ist die Berechnung von Entfernungen: Statt nur 28 oder 29 Pixel zu messen, ermöglichen präzise Algorithmen Messungen von 28,37 Pixeln. Diese Nachkommastellengenauigkeit wird durch eine "Subpixel-Interpolation" erreicht, die den Wendepunkt der Graustufenfunktion nutzt, um genauere Ergebnisse zu erzielen.
Die Subpixel-Interpolation ist eine Technik, die es ermöglicht, die Messgenauigkeit auf weniger als 1 Pixel zu erhöhen. Unter Laborbedingungen kann eine Genauigkeit von bis zu 1/20 Pixel erreicht werden. In realen Anwendungen liegt die Messgenauigkeit jedoch typischerweise zwischen 1/2 und 1/10 Pixel unter Berücksichtigung von Antast- und Kalibrierfehlern.
Ein weiterer wichtiger Aspekt der Messgenauigkeit ist die Mittelung lokaler Anomalien wie Abbildungsfehler, Konturschwankungen und Sensorrauschen. Bei einem großen Messbereich ist die Mittelung dieser Anomalien entscheidend, um die Genauigkeit zu verbessern und konsistente Messergebnisse zu erzielen.
Im gezeigten Beispiel macht es also einen Unterschied in der erreichbaren Genauigkeit, ob das Messtool-Fenster nur ein Pixel oder viele Pixel breit ist!
Ein konkretes Beispiel verdeutlicht die Bedeutung der Messgenauigkeit: Wird ein Abstand von 64 mm gemessen und die Kamera hat eine Auflösung von 640 Pixeln, so ist die Messgenauigkeit nicht auf ganze Pixel beschränkt. Durch die Anwendung präziser Algorithmen kann der Abstand mit einer Genauigkeit von einer Nachkommastelle gemessen werden, was bedeutet, dass deutlich sichtbare Merkmale nicht nur 0.1 mm groß sind, sondern auf etwa 0.05 bis 0.01 mm genau vermessen werden können.
Es wird also deutlich weniger Kameraauflösung wie für das Erkennen kleinster Strukturen gebraucht.
Ein anderer Ansatz zur Bestimmung der erforderlichen Kameraauflösung berücksichtigt die verwendeten Softwarealgorithmen.
Die erforderliche Kameraauflösung kann so ebenfalls rückgerechnet werden, wenn man die Merkmalsgröße, den Auflösungsbedraf der Software, sowie die Gesamtbildgröße kennt.
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